Umgang mit Sterbewünschen nach dem Wegfall des §217 – Fachtag mit Prof. Raymond Voltz zu Herausforderungen und Perspektiven bei der Suizidassistenz

Am 07.07.21 haben über 80 Interessierte am Online-Fachtag zum Umgang mit Sterbewünschen nach der Aufhebung des Verbots geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung teilgenommen. Der Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen (LSHPN) und die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Landesvertretung Niedersachsen/Bremen (DGP-LV NDS/HB) hatten Professor Dr. Raymond Voltz, Direktor des Zentrums für Palliativmedizin an der Uniklinik Köln eingeladen, um über dieses Thema zu informieren und zu diskutieren.

Kurzumfrage zu Erfahrungen und Einstellung der Teilnehmenden
Zu Beginn der Veranstaltung wurden die Erfahrungen der Teilnehmenden zu diesem Thema mit einer Kurzumfrage erhoben. Dabei wurde deutlich, dass die Anfragen zu Suizidassistenz aus Sicht der Hälfte der Teilnehmenden zugenommen haben, während die Mehrheit bereits direkt um Suizidassistenz gebeten wurden sind. 63% fühlen sich regelmäßig oder manchmal von derartigen Anfragen überfordert. Auch spannend: Obwohl ein Drittel der Befragten eine andere Einstellung zur Suizidassistenz vertritt als die Organisation, in der sie arbeiten, sehen sich nur 3% der Teilnehmenden deswegen in einem Konflikt. Die Begleitung eines ärztlich assistierten Suizids wird von jedem Vierten grundsätzlich ausgeschlossen. 76% können sich dagegen entweder grundsätzlich oder „ungern“ vorstellen, einen ärztlich assistierten Suizid zu begleiten.

Klärung der eigenen und gemeinsamen Position wichtig
In dem anschließenden Vortrag ordnete Prof. Dr. Raymond Voltz die aktuelle Diskussion zur Suizidassistenz in Deutschland in die historische Entwicklung, die rechtliche Lage und die internationale Debatte ein. Die normative Denkweise in Deutschland mit der Trennung zwischen der Tötung auf Verlangen (§216) und dem assistierten Suizid (ehem. §217) stelle sich beispielsweise in den angelsächsischen Ländern anders da. Das Urteil des BVerG sei in diesem Kontext besonderes, weil es keine Reichweitenbeschränkung bei der Inanspruchnahme des Rechts auf Suizidassistenz mehr erlaube. Jede*r habe unabhängig vom Gesundheitszustand prinzipiell das Recht auf eine Unterstützung beim Suizid, solange der Wille hierzu freiverantwortlich, autonom und dauerhaft nachgewiesen werden könne. In besonderem Maße dürfte dieses Thema allerdings im Bereich der Hospizarbeit und Palliativversorgung auftreten, wo insbesondere Patient*innen mit längeren und leidvollen Erkrankungen (z.B. ALS, Parkinson, Multiple Sklerose) in hohem Maße Suizidwünsche äußern. Dabei ist jedoch zu beachten, dass nicht jeder Äußerung zu diesem Thema auch eine suizidale Handlung nach sich ziehe und Lebenswunsch und Sterbenswunsch sich keinesfalls gegenseitig ausschließen müssen. Daher sei es für Mitarbeitende in diesem Bereich besonders wichtig, eine gemeinsame Haltung (persönlich, im Team, auf Trägerebene) zu entwickeln und sich aktiv zum Umgang mit Suizidwünschen fortzubilden.

Komplexes Thema erfordert offene Gespräche
Patient*innen in der Palliativversorgung haben oftmals das Bedürfnis, über Sterbewünsche und Suizidassistenz zu reden, sprechen das Thema aber nicht immer von sich aus eindeutig an. Daher sei es eine Aufgabe für Mitarbeitende in der Hospizarbeit und Palliativversorgung, sensibel für entsprechende Hinweise zu sein und dieses Thema auch selber proaktiv anzusprechen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass das Ansprechen von suizidalen Gedanken zu deren Entstehung oder Steigerung führe, während es aber andererseits als eine Art der Suizidprävention und Entlastung für die Betroffenen verstanden werden kann. Im Rahmen einer Studie konnte zudem gezeigt werden, dass Schulungen zu diesem Thema positive Auswirkungen auf die Mitarbeitenden und die Patienten haben.

Ausblick
Der Bundestag wird sich voraussichtlich in der nächsten Legislaturperiode mit einem neuen Gesetz zur Regelung der Suizidassistenz beschäftigen. Den in der Patientenversorgung und Hospizarbeit tätigen Akteuren ist dagegen schon jetzt empfohlen, sich aktiv mit dem Thema zu beschäftigen und hierzu eine Haltung zu entwickeln. Die Abwägung zwischen Fürsorge und Autonomie kann dabei je nach Situation und Hintergrund der Einrichtung herausfordernd sein. Dennoch ist ein solcher Prozess wichtig, um im Fall konkreter Anfragen eine sichere, transparente und verlässliche Regelung zu haben, an denen sich Mitarbeitende und Patient*innen orientieren können.

DGP lobt Preis für Hospizkultur und Palliativkompetenz in Einrichtungen der stat. Altenpflege aus

Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin lobt einen Preis mit dem inhaltlichen Schwerpunkt „Hospizkultur und Palliativkompetenz in Einrichtungen der stationären Altenpflege“ aus und stellt dafür ein Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro zur Verfügung.

Weitere Informationen finden Sie unter: https://www.dgpalliativmedizin.de/images/210401_Ausschreibung_Preis_Palliativkompetenz_Hospizkultur_Altenpflege_2.pdf

Niedersächsischer Gesundheitspreis – Bewerbungen jetzt möglich

Der 11. Niedersächsische Gesundheitspreis steht ganz im Zeichen der COVID-19-Pandemie. Gesucht werden Beispiele für Gute Praxis aus den Bereichen

1) Psychische Gesundheit in jeder Lebensphase stärken,
2) Gemeinsam in Bewegung bleiben
3) eHealth – digital unterstützt in Behandlung, Pflege und Reha.

Bis zum 31.07.21 können Verbände, Institutionen, Initiativen, Unternehmen, Einzelpersonen und Fachleute aus der Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung ihre Projekte einreichen und sich auf die insgesamt 15.000€ Preisgeld (aufgeteilt auf die 3 Kategorien) bewerben. In den letzten Jahren waren auch Initiativen aus dem Bereich der Hospizarbeit und Palliativversorgung erfolgreich, z.B.: https://www.hospiz-palliativ-nds.de/niedersaechsischer-gesundheitspreis-fuer-hospizlich-palliative-versorgung-fuer-menschen-mit-kognitiven-einschraenkungen-diakonie-himmelsthuer-ausgezeichnet/

Weitere Infos: https://www.gesundheitspreis-niedersachsen.de/gesundheitspreis-2021/preiskategorien/

Tageshospize und palliativmedizinische Tageskliniken – Fachtag diskutiert Chancen und Herausforderungen einer noch jungen Versorgungsform in Deutschland

Am 30.06.21 haben knapp 40 Interessierte am Online Fachtag zu Tageshospizen und palliativmedizinischen Tageskliniken teilgenommen. Der Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen (LSHPN), die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin, Landesvertretung Niedersachsen/Bremen (DGP-LV NDS/HB) und der Hospiz- und PalliativVerband Niedersachsen (HPVN) hatten zu dieser Veranstaltung eingeladen, um über das in Deutschland noch relativ neue Angebot der teilstationären Hospizarbeit und Palliativversorgung zu informieren.

In einem Einführungsvortrag präsentierte Beate Apolinarski von der Medizinischen Hochschule Hannover, Institut für Allgemeinmedizin aktuelle Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt ABPATITE. Darin untersuchen die Wissenschaftler*innen den Bestand und den Bedarf für palliativmedizinische Tageskliniken und Tageshospize in Deutschland und entwickelt Empfehlungen zu ihrer Weiterentwicklung. Es wurde deutlich, dass die knapp 20 bisher in Deutschland existierenden Einrichtungen sehr unterschiedlich organisiert, finanziert und gestaltet sind. Zugleich gibt es eine große Dynamik bei der Neugründung derartige Einrichtungen, sodass mit einem rasanten Bedeutungszuwachs von Tageshospizen und palliativmedizinischen Tageskliniken in den nächsten Jahren zu rechnen ist.

Anschließend stellte die kurzfristig angefragte Hospizleiterin Schwester Gabriele Kahl das Uhlhorn Tageshospiz in Hannover vor. Die im September 2020 eröffnete Einrichtung ist räumlich an das bereits bestehende stationäre Hospiz angeschlossen, läuft praktisch und formal jedoch als eine eigenständige Einrichtung mit einem separaten Krankenkassenvertrag. Die bis zu sechs Gäste können in ruhiger und geschützter Atmosphäre an vier Tagen der Woche an einem breiten Angebot von gemeinsamen Mahlzeiten über Gespräche, kreative Beschäftigungen bis hin zu pflegerischer Versorgung teilnehmen. Eine gute Integration des Tageshospizes in die regionalen Versorgungsstrukturen garantiert nahtlose Übergänge zwischen den Schnittstellen.

Dr. Alfred Paul, Chefarzt der Klinik für Palliativmedizin am Klinikum Aschaffenburg-Alzenau gab daraufhin einen Einblick in die dort angeschlossene palliativmedizinische Tagesklinik. Das Angebot richtet sich an Patient*innen mit komplexem palliativmedizinischen Behandlungsbedarf, die einerseits keine 24-stündige Krankenhausbetreuung brauchen oder wünschen, für die aber andererseits eine rein ambulante palliativmedizinische Betreuung nicht ausreicht. Dr. Paul präsentierte einen typischen Tagesablauf beginnend von der morgendlichen Begrüßung des Patienten, über ausführliche Gespräche und einer Optimierung der Schmerztherapie und der Symptombehandlung bis hin zur spätnachmittäglichen Verabschiedung und der Rückfahrt des Patienten in seine Wohnung. Durch die gute Kooperation mit den lokalen Versorgungsakteuren ermöglicht die Tagesklinik eine frühzeitige Integration der (spezialisierten) Palliativversorgung und kann dadurch unerwünschte stationäre Krankenhausaufenthalte reduzieren.

In der abschließenden Diskussion wurde deutlich, dass teilstationäre Angebote der Hospizarbeit und Palliativversorgung für bestimmte Patientengruppen/Gäste und deren Angehörige eine sinnvolle, entlastende und angemessene Alternative zur vollstationären oder rein ambulanten Versorgung am Lebensende darstellen. Es gab ein großes Interesse an einer weiteren Vernetzung (Interessierte können sich gerne beim LSHPN melden: ) und den Wunsch, dass teilstationäre Angebote der Hospizarbeit und Palliativversorgung in die Regelversorgung integriert werden.

GVWG beschlossen – Bundesrat stimmt für Förderung regionaler Hospiz- und Palliativnetzwerke

Der Bundesrat hat am 25.06.21 dem Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (GVWG) zugestimmt. Das Gesetz enthält u.a. die Einführung des §39d in das fünfte Sozialgesetzbuch, wodurch die Förderung für die Koordination von regionalen Hospiz- und Palliativnetzwerken eingeführt wird. Angedacht ist eine Mischfinanzierung von regionalen Netzwerkkoordinator*innen durch Kreis, bzw. kreisfreie Stadt und Krankenkasse zu je 15.000 € (insgesamt 30.000 €). Aufgaben der Netzwerkkoordination sollen insbesondere sein: Unterstützung der Kooperation der regionalen Versorgungsakteure, Öffentlichkeitsarbeit, Initiierung, Koordination und Vermittlung von Fort- und Weiterbildungsangeboten und Schulungen, Vernetzung mit anderen lokalen Vernetzungsstrukturen (z.B. Pflegestützpunkte, Demenznetzwerke, etc.), Erfahrungsaustausch mit Einrichtungen der Kommunal- und Landesebene.
Weitere Infos: https://www.bundesrat.de/SharedDocs/beratungsvorgaenge/2021/0501-0600/0511-21.html?nn=4353114

Palliativmedizinische Strukturen im Krankenaus – Fachveranstaltung diskutiert Tipps und Argumente

Am 23.06.21 haben 40 Teilnehmende an der Online-Fachveranstaltung zu palliativmedizinischen Strukturen im Krankenhaus teilgenommen. Die Landesvertretung Niedersachsen/Bremen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und der Landesstützunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen (LSHPN) hatten den DGP-Geschäftsführer Heiner Melching eingeladen, um über Tipps und Argumente zum Aufbau und zur Etablierung der Palliativmedizin im Krankenhaus ins Gespräch zu kommen. Neben einzelnen Palliativbetten und der Pallliativstation drehte sich der Austausch primär um die Palliativdienste im Krankenhaus, die im Jahr 2017 mit der OPS-Ziffer 8-98h ins DRG eingeführt wurden. Heiner Melching leitete lebendig und fokussiert durch das komplexe Feld der Krankenhausstrukturen, wusste auf alle Fragen zielführende Antworten und motivierte die Teilnehmenden zu einem selbstbewussten und klugen Engagement für die palliativmedizinischen Belange gegenüber den Geschäftsführungen der Krankenhäuser.

Bundestag stimmt für Förderung regionaler Hospiz- und Palliativnetzwerke – Zustimmung des Bundesrats am 25.6. erwartet

Der Bundestag hat am Freitag, den 11. Juni dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung (Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz, GVWG) zugestimmt. Das Gesetzespaket enthält u.a. die Einführung des §39d in das SGB V, welcher eine Förderung für die Koordination in Hospiz- und Palliativnetzwerken durch einen Netzwerkkoordinator vorsieht. Angedacht ist eine Mischfinanzierung von regionalen Netzwerkkoordinator*innen durch Kreis, bzw. kreisfreie Stadt und Krankenkasse zu je 15.000 € (insgesamt 30.000 €). Aufgaben der Netzwerkkoordination sollen insbesondere sein: Unterstützung der Kooperation der regionalen Versorgungsakteure, Öffentlichkeitsarbeit, Initiierung, Koordination und Vermittlung von Fort- und Weiterbildungsangeboten und Schulungen, Vernetzung mit anderen lokalen Vernetzungsstrukturen (z.B. Pflegestützpunkte, Demenznetzwerke, etc.), Erfahrungsaustausch mit Einrichtungen der Kommunal- und Landesebene.

Der Bundesrat wird in seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause am 25.06. mit dem Gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz (GVWG) befassen.

Weitere Infos: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw08-de-gesundheitsversorgungsweiterentwicklungsgesetz-821784

2. Fachtag Soziale Arbeit in Palliativ Care an der Hochschule Hannover

Am 4. Juni 2021 fand an der Hochschule Hannover, Fakultät V, Diakonie, Gesundheit und Soziales bereits das 2. Niedersächsische Vernetzungstreffen „Perspektiven Sozialer Arbeit in Palliative Care“ im Online-Format statt. Die neue Veranstaltungsreihe stößt bundesweit auf positive Resonanz.
Berufspolitisches Handeln der Sozialen Arbeit am Lebensende muss stärker werden. Das war eine zentrale Erkenntnis der Veranstaltung.

https://f5.hs-hannover.de/aktuelles/news/berufspolitisches-handeln-der-sozialen-arbeit-am-lebensende-muss-staerker-werden/#

Kein Zwang zum Heimwechsel aufgrund von Behinderung – Landessozialgericht entscheidet über Verlegung von Pflegeheimbewohner

Das Landessozialgericht Niedersachsen-Bremen (LSG) hat in einem Urteil vom 3. Mai entschieden, dass behinderte Pflegeheimbewohner nicht gegen ihren Willen in eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung wechseln müssen. Das zustände Sozialamt hatte die Übernahme der bisherigen Heimkosten verweigert mit der Begründung, dass eine Betreuung in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung bei seinen Einschränkungen geeigneter sei. Der betroffene Bewohner fühlte sich in seiner Pflegeeinrichtung wohl und klagte nun erfolgreich gegen diese Praxis des Sozialamtes, die vom LSG als unzulässiger Druck bewertet wurde:
Weitere Infos: https://landessozialgericht.niedersachsen.de/startseite/aktuelles/pressemitteilungen/kein-zwang-zum-heimwechsel-aufgrund-behinderung-200454.html

Betreuungsnetz eröffnet Instagram-Account

Am 26.05. eröffnet das Netzwerk für die Versorgung schwerkranker Kinder und Jugendlicher e.V. offiziell seinen neuen Instagram-Account mit dem Namen: @versorgung.schwerkrankerkinder. Sie können den Account abonnieren und dadurch über die aktuellen Entwicklungen im Netzwerk auf dem Laufenden bleiben. Erst Anfang des Monats hat der LSHPN seinen Instagram-Account für das Themenjahr „Was ist gutes Sterben“ aufgesetzt: https://www.hospiz-palliativ-nds.de/was-ist-gutes-sterben-auf-social-media-folgen-sie-uns-auf-instagram-und-facebook/

„Was ist gutes Sterben?“ auf Social Media – Folgen Sie uns auf Instagram und Facebook

Das Themenjahr „Was ist gutes Sterben?“  findet sich nun auch auf den Social Media Plattformen Facebook und Instagram! Hier haben alle Nutzer*innen die Möglichkeit, sich über die neusten Aktionen und Eindrücke aus Niedersachsen auf dem Laufenden zu halten und mit uns ins Gespräch zu kommen. Teilen Sie ihre Eindrücke und Meinungen, verbinden Sie sich mit unseren Kanälen und beteiligen Sie sich an der Diskussion darüber, was für Sie persönlich gutes Sterben ausmacht und was wir als Gesellschaft dafür tun können.

Instagram: https://www.instagram.com/wasistgutessterben/ 

Facebook: https://www.facebook.com/wasistgutessterben

 

BMFSFJ fördert Modellprojekt aus Niedersachsen – Tageshospiz aus Braunschweig erhält Zuschlag

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat bundesweit 10 Modellprojekte zu Förderung im Rahmen des Pilotprogramms „Sterben wo man zu Hause ist“ ausgewählt. Gesucht wurden fachkundige Träger der Hospizarbeit und Palliativversorgung, Stiftungen, Vereine und Verbände, Kommunen und andere öffentliche oder gemeinnützige Organisationen, die ein innovatives Projekt konzipieren, planen und umsetzen. Gefördert werden Projekte im Bereich der ambulanten und teilstationären Versorgung und Betreuung sowie stationäre Hospize in struktur-schwachen Regionen.
Als eine von 102 Bewerbungen haben die Hospiz Braunschweig gGmbH und Diakonie-Stiftung im Braunschweiger Land mit Ihrem Konzept für ein Tageshospiz überzeugt und den Zuschlag erhalten. Der LSHPN freut sich über die Förderung dieser Initiative aus Niedersachsen und beglückwünscht die Projektverantwortlichen zu diesem Erfolg.

Ärztetag streicht das Verbot der ärztlichen Suizidbeihilfe aus der Musterberufsordnung

Der Deutsche Ärztetag (DÄT) hat auf seinem 124. Deutschen Ärztetag das Verbot der ärztlichen Suizidbeihilfe aus der Musterberufsordnung gestrichen. Eine breite Mehrheit von über 90 Prozent der Delegierten hat dafür gestimmt, den Satz „Sie [die Ärzte] dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten“ zu streichen. Vielmehr sollen die Ärzt*innen nach individueller Gewissensentscheidung nun selber entscheiden, ob Sie Suizidassistenz leisten. Zugleich wurde klargestellt, dass es keine Verpflichtung von Ärzt*innen beim assistierten Suizid geben kann und Suizidassistenz im Allgemeinen keine ärztliche Aufgabe sei. Der Ärztetag machte sich für einen Ausbau der Suizidprävention und der Palliativversorgung stark. In einem nächsten Schritt wird es darum gehen, die Beschlüsse des DÄT in die Berufsordnungen der Landesärztekammern zu übernehmen.

Weitere Infos: https://www.aerztezeitung.de/Kongresse/Suizidassistenz-Aerzteparlament-wagt-sich-in-ethisches-Neuland-vor-419394.html

Informationen über Palliativversorgung am Beispiel Emsland

In der St. Bonifatius Hospitalgesellschaft ist innerhalb der letzten Jahre das Angebot der Palliativversorgung im ambulanten wie stationären Bereich rasant gewachsen. Mit dem Palliativstützpunkt Nördliches Emsland in Sögel, dem Bereich der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) in Sögel am Hümmling Hospital und in Lingen am Bonifatius Hospital, wie auch den Palliativstationen in diesen beiden Häusern, wurde das Angebot für die Versorgung von schwerkranken, unheilbaren und sterbenden Menschen umfassend erweitert.

Eine Darstellung der Palliativversorgung am Beispiel Emsland wird am kommenden Freitag den 07.Mai 2021 um 18:30 Uhr beim TV Sender EmsTv in der Sendung “Stippvisite”, eine Sendung der St. Bonifatius Hospitalgesellschaft, gezeigt. Die Sendung wird dann 24h stündlich wiederholt und kann sich online unter www.emstv.de nochmals angeschaut werden!

Ärzt*innen mit bestimmten Sprachkenntnissen für niedersächsische Impfkampagne gesucht

Die Niedersächsische Staatskanzlei, die Niedersächsische Lotto-Sport-Stiftung und der Flüchtlingsrat Niedersachsen e.V. sind in den Vorbereitungen für eine Corona-Impfkampagne. Zugewanderte und Menschen mit geringen/schlechten Deutschkenntnissen zeigen eine geringe Bereitschaft zum Impfen. Sprachliche Schwierigkeiten, fehlende Informationen und Angst sind dabei einige Gründe. Dem soll entgegengewirkt werden.
Für die Impfkampagne sollen kurze Videos gedreht werden, in denen Ärzt*innen aufklären, informieren und die Angst vor einer Impfung nehmen – und das in mehreren Sprachen.

Es werden Ärzt*innen gesucht, die Englisch, Französisch, Tigrinya, Somali, Türkisch, Kurdisch, Albanisch, Georgisch, Bosnisch/Kroatisch/Serbisch oder Romanes sprechen und bei der Kampagne mithelfen möchten.

Mithelfende melden sich bitte zeitnah bei der Lotto-Sport-Stiftung, Felek Güler:
Tel.: 0511-999873-53 | Fax.: 0511-999871-55
E-Mail:

oder beim Flüchtlingsrat Niedersachsen, Frau Laura Müller:
; 0511 / 98 24 60 35.

Gesundheitliche Versorgungsplanung für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen – Fachtag thematisiert Herausforderungen und Erfahrungen der Eingliederungshilfe

Am 21.04.21 fand das Vernetzungstreffen zur Gesundheitliche Versorgungsplanung (GVP) für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen mit 90 Teilnehmer*innen statt. Die Niedersächsische Arbeitsgruppe „Hospizarbeit und Palliativversorgung für Menschen mit Beeinträchtigungen“, das Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) und der Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen (LSHPN) hatten zu einem gemeinsamen Austausch über Erfahrungen und Herausforderungen eingeladen, der aufgrund der Corona-Situation online durchgeführt wurde.

In Ihrer Begrüßung erläuterten Dr. Dorothee Arnold-Krüger (ZfG), Andrea Zimmermann (Niedersächsische Arbeitsgruppe) und Dr. Sven Schwabe, dass dieser Fachtag eine Zusammenführung von wichtigen Themen der gemeinsamen Arbeit in den letzten Jahren darstellt. Es habe sich gezeigt, dass sich die Erfahrungen von und die Anforderungen an GVP-Begleitungen in der Eingliederungshilfe von dem Setting der Pflegeeinrichtungen unterscheiden. So nehmen beispielsweise Fragen der gesetzlichen Vertretung, der unterstützenden Kommunikation und der Einwilligungsfähigkeit in der Eingliederungshilfe tendenziell einen größeren Raum ein und erfordern entsprechende Kompetenzen und Erfahrungen der Berater*innen. Andererseits kann GVP auch wichtige Impulse in die Organisationen der Eingliederungshilfe geben, zum Beispiel zur Selbstbestimmung, Teilhabe und zur Thematisierung von Sterben, Tod und Trauer.

In Ihrem Eröffnungsvortrag gab Dr. Sabine Petri (Caritasverband der Erzdiözese München und Freising) einen umfassenden Über- und Einblick in aktuelle Bedingungen, Möglichkeiten und Erfahrungen von GVP in der Eingliederungshilfe in Deutschland. Dabei stellte sie die besonderen Anforderungen an den Beratungsprozess bei Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen dar, an die Organisationen der Eingliederungshilfe sowie die regionale Vernetzung. So sollten beispielsweise die GVP-Begleiter*innen in diesem Setting zusätzlich Erfahrungen in unterstützender Kommunikation und Bereitschaft zur Vernetzung mitbringen, während die Einrichtungen die Implementierung von GVP als Projekt verstehen sollten, mit konkretem Projektteam, Klärung von Abläufen, Informationen an alle Mitarbeitenden sowie Mechanismen der Qualitätssicherung.


Rechtsanwältin Ingrid Alsleben (Die Vorsorge-Kanzlei, Gifhorn) erläuterte anschließend die rechtlichen Grundlagen von Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Anhand konkreter Beispiele verdeutlichte sie anschaulich, wie Patientenverfügungen gestaltet sein müssen, damit sie rechtlich bindend sind und von Behandler*innen berücksichtigt werden. Dabei wurde deutlich, dass Einwilligungs-, bzw. Einsichtsfähigkeit eine wichtige Voraussetzung für die Erstellung von Patientenverfügungen darstellt und diese auch bei vielen Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen erfüllt sei. Zugleich betonte sie die Aufgaben der gesetzlichen Vertretung bei der Ermittlung des mutmaßlichen Willens und der Mitwirkung an GVP.

Eine kritische Perspektive auf die Gesundheitliche Versorgungsplanung richtete Anne Volmering-Dierkes (Deutsches Institut für angewandte Pflegeforschung Köln), indem sie den Diskurs zu GVP in Deutschland beleuchtete. Über einen langen Zeitraum hinweg wurde Advance Care Planning (ACP) in einem medizinisch dominierten Diskurs primär als Ermöglichungsinstrument für Selbstbestimmung in der letzte Lebensphase beschrieben. In den Hintergrund tritt dabei, dass Selbstbestimmung nicht unabhängig gedacht werden kann, sondern förderliche gesellschaftliche Rahmenbedingungen braucht, die derzeit nicht immer erfüllt sind (z.B. Fachkräftemangel in der Pflege, Ökonomisierung im Gesundheitsweisen). Insbesondere in der Eingliederungshilfe sei ein Klima der für-sorgenden Gemeinschaften wichtig, damit ACP ohne sozialen Druck, ergebnisoffen und empathisch den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

In den nachmittäglichen Workshops wurden wichtige Aspekte in Kleingruppen vertieft. Claudia Liebau (Rotenburger Werke) stellte Materialien zur unterstützenden Kommunikation vor und diskutierte mit den Teilnehmer*innen über Möglichkeiten und Grenzen der GVP-Kommunikation mit Menschen mit Beeinträchtigungen. Dr. Johannes Reisch (Facharzt für Allgemeinmedizin, Psychosomatische Medizin und Palliativmedizin, Gifhorn) zeigte anhand eines praktischen Beispiels, wie eine gute GVP-Begleitung mit Vertreter-Dokumentation funktionieren kann. Andrea Zimmermann (Diakonie Himmelsthür, Hildesheim) beriet mit den Teilnehmenden über Herausforderungen und gute Erfahrungen bei der Implementierung von GVP in der Einrichtung.

In einer abschließenden Gruppendiskussionen wurden Strategien und Tipps zur Ermöglichung von GVP in Pandemiezeiten gesammelt:

  • Durchführung von GVP-Beratungen in Vollschutz-Anzügen oder mit Plexiglasscheiben
  • Durchführung von GVP-Beratungen im Freien, z.B. im Garten oder auf dem Außengelände
  • Nutzung von digitaler Kommunikation (Videokonferenzen, Messenger mit Videotelefonie, Telefon), insbesondere in der Kommunikation mit Angehörigen und rechtlichen Vertreter*innen, zur Ermittlung des mutmaßlichen Willens und zur Erstellung der Vertreterdokumentation
  • Zeit nutzen, um GVP bei den Mitarbeitenden in der Einrichtung bekannt zu machen (Informationsmaterialien erstellen; Fortbildungen in Kleingruppen)
  • Frühzeitige Impfung der GVP-Begleiter*innen erwirken
  • Austausch mit anderen GVP-Gesprächsbegleiter*innen, z.B. in dem bundesweiten Netzwerk: https://www.hospiz-palliativ-nds.de/wp-content/uploads/2020/08/Flyer-Netzwerk-Gespr%C3%A4chsbegleiterinnen-in-Eingliederungshilfe.pdf

Angesichts der zahlreichen Hürden (Kontaktverbote, Zugangsbeschränkungen, teilweise schwierige Erreichbarkeit der Hausärzte, andere Prioritätensetzung in den Einrichtungen) ist die Durchführung von GVP während der COVID-19-Pandemie erheblich erschwert.
Die Tagung machte deutlich, dass GVP in der Eingliederungshilfe mit zahlreichen spezifischen Herausforderungen und Erfahrungen verbunden ist. Diese zu thematisieren und im gemeinsamen Austausch nach guten Lösungen zu suchen, wird eine der wichtigen Aufgaben der nächsten Jahre sein.

 

Bundestag debattiert über Neuregelung der Suizidbeihilfe

Am Mittwoch, 21.4.21 hat der Bundestag in einer Orientierungsdebatte über die Neuregelung der Suizidbeihilfe beraten. Hintergrund war die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 zum Verbot der geschäftsmäßigen Förderung der Selbsttötung. 38 Abgeordnete aller Parteien diskutierten in der 2,5 Stunden dauerten Debatte über Eckpunkte einer anvisierten neuen gesetzlichen Regelung.

Weitere Infos: https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2021/kw16-de–834808

Was ist gutes Sterben? – Hospizverein Region Wolfsburg möchte Menschen ermutigen, sich mit dieser Frage auseinanderzusetzen

Der Hospizverein Region Wolfsburg möchte in diesem Jahr gemeinsam mit dem Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen (LSHPN) einen gesellschaftlichen Diskurs zum Thema Sterben beginnen. Mit einem kreativen Projekt lädt der Hospizverein alle Bürgerinnen und Bürger Niedersachsens ein, sich mit der Frage auseinanderzusetzen: Was ist gutes Sterben?

Weitere Infos: https://hospizarbeit-region-wolfsburg.de/wp-content/uploads/2021/03/Fragebogen-WigS-Wolfsburg.pdf

Broschüre „Qualifizierte Vorbereitung Ehrenamtlicher“, des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbandes (DHPV) neu aufgelegt.

Wegen der großen Nachfrage, war die Broschüre bereits vergriffen. Nun liegt der Nachdruck vor, denn die Nachfrage ist weiterhin sehr groß.
Der DHPV bittet weiterhin um Weiterleitung und Verbreitung der Broschüre und empfiehlt einen Hinweis und Austausch bei z.B. den Treffen der Koordinator*innen auf Landesebene.
Die Autor*innen der Broschüre sind auch gern bereit, in solch einem Rahmen als Referenten zur Verfügung zu stehen.
In der Broschüre sind im Autor*innen-Verzeichnis die Mailadressen aufgeführt, so dass Sie sich direkt an die oder den jeweiligen Ansprechpartner*in wenden können.

Die Broschüre steht als Download  auf der Homepage des DHPV zur Verfügung  und die gedruckte Ausgabe ist wie gewohnt über bestellbar. (Bitte beachten Sie: bei mehreren Exemplaren fällt eine Schutzgebühr an.)

Der HPVN beteiligt sich gern an der Gestaltung des Themenjahres “Was ist gutes Sterben?”

Möchten Sie wissen was Matthias Brodowy sich an seinem Lebensende wünscht? Wenn ja, schauen Sie rein in die Videobotschaft https://www.hospiz-palliativ-nds.de/was-ist-gutes-sterben/

Schon die Anfrage bei Musikern, Sportlern, Künstlern, Politikern, Geschäftsleuten…- ob jung, ob alt – nach persönlichen Videobotschaften hat gezeigt, dass das Thema „Tod und Sterben“ oft „angstbesetzt” ist. Viele Menschen scheuen sich darüber zu reden, vielleicht sich auch nur Gedanken darüber zu machen. Andere haben die Idee gern aufgenommen und mit ihren persönlichen Statements uns alle zum Nachdenken inspiriert. Da ist zum Beispiel auch die Videobotschaft des jungen freischaffenden Künstlers aus dem Kunstkollektiv „Die Vandals“, Julian Fricke. Spontan hat er zugesagt sich mit einer Videobotschaft zu beteiligen und in dem Video gibt er zu, wie lange er über die Frage nachgedacht hat und wie schwierig es ist eine Antwort zu finden, was er sich am Lebensende wirklich wünscht.
Gerade in Zeiten einer Pandemie kann der Tod vielleicht näher an uns oder einem unserer Angehörigen sein als wir vermuten. Wir stecken gerade in der dritten Pandemiewelle und hören täglich in den Medien wie einzelne Intensivstationen an ihre Kapazitätsgrenze stoßen. Vielleicht wäre es gut, sich schon einmal Gedanken zu machen. Vielleicht wäre es gut, seine eigene kleine Videobotschaft zu verfassen: Was wäre denn gut, wenn ich sterben müsste? Was wünschte ich mir für Unterstützung, wenn eine:r aus meiner Familie oder eine:r meiner Freunde an ihr/sein Lebensende angelangt sei?
Doch nicht nur die/der Einzelne braucht Antworten auf diese Fragen – vielmehr ist die Gesellschaft insgesamt gefordert, sich hierzu Gedanken zu machen und die Weichen so zu stellen, dass die Strukturen, Hilfs- und Begleitungsangebote dem mehrheitlichen gesellschaftlichen Willen nach Fürsorge und Versorgung am Lebensende entsprechen. Vieles ist in den vergangenen Jahren erreicht worden. Doch vielerorts sind Wünsche nach neuen Hospizen oder besseren Bedingungen in Alten- und Pflegeheimen hörbar. Hier stellt sich auch die Frage, was bessere Versorgungsstrukturen uns als Gesellschaft wert wären. Ein afrikanisches Sprichwort sagt: „Es ist besser, mit drei kleinen Sprüngen das Ziel zu erreichen, als sich bei einem großen die Beine zu brechen.“ Wir freuen uns auf dieses Themenjahr, den Austausch und die Diskussion verschiedener Möglichkeiten mit kleinen gemeinsamen Sprüngen in Richtung unseres gemeinsamen Zieles.

Kathrin Röbbeln, Mitglied im Vorstand des Hospiz- und Palliativverbandes Niedersachsen e.V.