Am 3. Juni 2026 fand im DIAKOVERE Friederikenstift in Hannover der Fachtag „Wer ist hier richtig?“ statt. Die Veranstaltung richtete sich an Fachpersonen aus der stationären Hospiz- und Palliativversorgung und wurde von der Landesvertretung Niedersachsen/Bremen der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) in Kooperation mit dem Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niedersachsen (LSHPN) sowie dem Hospiz- und PalliativVerband Niedersachsen (HPVN) initiiert.
Im Mittelpunkt des Fachtags stand eine zentrale Herausforderung der Versorgungspraxis: Die begrenzte Verfügbarkeit von Plätzen auf Palliativstationen und in stationären Hospizen. Diese sind ein kostbares Gut – nicht selten verbunden mit Wartezeiten und schwierigen Abwägungsprozessen.
Vor diesem Hintergrund wurden grundlegende Fragen diskutiert: Nach welchen Kriterien werden Aufnahmen entschieden? Und wie kann ein gerechtes Belegungsmanagement unter den gegebenen Rahmenbedingungen gelingen?
Fachliche Impulse setzten unter anderem Hildegard Emmermann, Pastorin und Leiterin des Zentrums für Gesundheitsethik an der Evangelischen Akademie Loccum (ZfG), mit einer fundierten Einführung in die medizinethischen Prinzipien nach Beauchamp und Childress. Sie zeigte auf, wie diese als Orientierung für verantwortungsvolle Entscheidungsprozesse im Spannungsfeld knapper Ressourcen dienen können. Praxisnahe Einblicke gaben Lars Kaiser, Diplom-Sozialarbeiter und Dr. Kathrin Matthias, Oberärztin der Palliativmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) im Tandem. Sie beleuchteten anhand konkreter Fallkonstellationen Kriterien für die Aufnahme auf Palliativstationen, typische Grenzfälle sowie Herausforderungen durch mögliche Fehlbelegungen. Ergänzt wurden diese Perspektiven durch Manuela Wiese, Pflegedienstleitung am Hospiz am Evangelischen Krankenhaus Düsseldorf. Sie machte deutlich, wie komplex und anspruchsvoll das Belegungsmanagement im Hospizalltag ist und welche Dilemmata sich im Spannungsfeld zwischen Bedarf, Kapazität und Versorgungsauftrag ergeben.
Ergänzend boten mehrere Workshops Raum, um zentrale Aspekte wie Aufnahmeentscheidungen, Teamdynamiken und bestehende Dilemmata im Rahmen des Belegungsmanagements vertieft zu bearbeiten. Dabei wurden Belastungen und Herausforderungen für Mitarbeitende offen benannt und gemeinsam Ansätze für den Umgang damit sowie Beispiele guter Praxis entwickelt.
Der Fachtag zeichnete sich durch einen intensiven fachlichen Dialog und einen kollegialen Austausch aus. Die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, Perspektiven zu erweitern, Erfahrungen zu teilen und sich zu vernetzen. Deutlich wurde: Die Frage „Wer ist hier richtig?“ bleibt eine anspruchsvolle Aufgabe – sie verlangt neben klaren Kriterien auch ethische Reflexion, interprofessionelle Abstimmung und tragfähige Strukturen.

