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Nachschau zum Fachtag „Suizidprävention als organisationsethische Herausforderung“

Mit rund 65 Teilnehmenden aus Einrichtungen der Altenhilfe und Eingliederungshilfe und Vertreter*innen aus vielen weiteren Arbeitsbereichen der Hospiz- und Palliativversorgung fand am 24. Juni 2026 im Hanns-Lilje-Haus in Hannover der Fachtag „Suizidprävention als organisationsethische Herausforderung“ statt. Die Veranstaltung wurde vom Zentrum für Gesundheitsethik (ZfG) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP), dem Hospiz- und PalliativVerband Niedersachsen (HPVN) sowie dem Landesstützpunkt Hospizarbeit und Palliativversorgung Niederachsen (LSHPN) durchgeführt.

Im Zentrum des Fachtages stand die Auseinandersetzung mit Todeswünschen, suizidalen Krisen und Anfragen im Kontext des assistierten Suizids als komplexe fachliche, ethische und organisationale Herausforderung für Einrichtungen der Altenhilfe und Eingliederungshilfe. Deutlich wurde, dass Suizidprävention nicht allein als individuelle Aufgabe von Fachpersonen verstanden werden kann, sondern als organisationale und organisationsethische Verantwortung.

Bereits der Eröffnungsvortrag von Dr. Uwe Sperling stellte die zentrale Frage, wie Pflegeeinrichtungen unter den gegebenen Rahmenbedingungen Suizidprävention leisten können – und machte damit die Spannungsfelder zwischen Anspruch, Ressourcen und Verantwortung sichtbar.
Einen praxisnahen Einblick in gelingende Organisationsentwicklung bot der Beitrag von Sabine Breimann. Am Beispiel des Projektes „LebensWert – begegnen, beraten, begleiten“ wurde aufgezeigt, wie durch den gezielten Aufbau von Beratungsstrukturen, ethischer Reflexionsräume und einer sensiblen Organisationskultur tragfähige Ansätze im Umgang mit Todeswünschen und suizidalen Krisen entstehen können.

Mit dem Vortrag von PD Dr. Katharina Woellert wurde die organisationsethische Perspektive vertieft. Sie machte deutlich, dass Einrichtungen gefordert sind, Positionen zu entwickeln und Orientierung zu bieten – auch und gerade dort, wo es keine einfachen Antworten gibt. Der Umgang mit Wünschen nach assistiertem Suizid erfordert dabei eine bewusste Auseinandersetzung mit Haltung, Verantwortung und der jeweiligen Rahmenbedingungen.

Am Nachmittag boten drei parallele Workshops Raum für vertiefte Diskussion und kollegialen Austausch:
Das Format des Ethikcafés stellte Sabine Buhr in der praktischen Anwendung als niederschwellige Möglichkeit für Einrichtungen vor. Dr. Laura Hofmann beleuchtete die Rolle von Angehörigen im Kontext assistierten Suizids und zeigte Herausforderungen sowie Handlungsperspektiven auf.
Dr. Uwe Sperling diskutierte Ansatzpunkte und strukturelle Anforderungen für wirksame Suizidprävention in Einrichtungen der Altenpflege und Eingliederungshilfe.
Ein wiederkehrendes Thema des Fachtages war der sogenannte Moral Distress von Mitarbeitenden, der durch ethische Konflikte, Unsicherheiten und Belastungen – insbesondere im Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Fürsorge – entstehen kann. Deutlich wurde, wie wichtig es ist, Fachkräfte durch geeignete Strukturen, Reflexionsräume und klare organisationale Haltungen zu unterstützen.

In der abschließenden Zusammenführung wurden zentrale Erkenntnisse gebündelt:

  • Suizidprävention braucht verbindliche organisationale Strukturen
  • eine offene, nicht tabuisierende Organisationskultur ist grundlegend
  • Prävention, Krisenintervention und Nachsorge müssen systematisch verankert werden
  • Fachkräfte benötigen Unterstützung im Umgang mit ethischen Belastungen
  • Einrichtungen sind gefordert, klare Haltungen und Konzepte zu entwickeln und zu kommunizieren

Der Fachtag bot Raum für fachlichen Input, kollegialen Austausch und gemeinsame Reflexion. Er machte deutlich, dass der Umgang mit Suizidalität und Todeswünschen eine zentrale Zukunftsaufgabe für Einrichtungen der Altenhilfe und Eingliederungshilfe darstellt.

Mit vielen Impulsen, neuen Perspektiven und konkreten Anregungen für die eigene Praxis endete die Veranstaltung mit dem gemeinsamen Ziel, Suizidprävention als integralen Bestandteil organisationaler Verantwortung weiterzuentwickeln.